Digitale Bildung
Veröffentlichung: 02.06.2026

Orientierung geben im digitalen Dschungel: Informationskompetenz im Schulalltag fördern

Wie erkennen Schülerinnen und Schüler verlässliche Informationen im Netz? Dieser Beitrag von Coding For Tomorrow zeigt, warum Informationskompetenz heute so unverzichtbar ist und wie Sie sie im Unterricht gezielt fördern – praxisnah, verständlich und direkt umsetzbar.
Coding For Tomorrow
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Gastautor

Lehrkräfte in Deutschland erleben täglich, wie selbstverständlich Schülerinnen und Schüler digitale Medien zur Informationsbeschaffung nutzen. Häufig erhalten Schülerinnen und Schüler Informationen über soziale Netzwerke, kurze Videos oder Messengerdienste.

Was dabei jedoch oft fehlt, ist die Fähigkeit, Informationen kritisch einzuordnen, ihre Herkunft zu prüfen und zwischen verlässlichen Inhalten, Meinungen und gezielter Desinformation zu unterscheiden

Aktuelle Studien zeigen, dass rund 40 % bis über 50 % der Schülerinnen und Schüler in Deutschland Schwierigkeiten haben, digitale Informationen kritisch zu bewerten und Fake News zuverlässig zu erkennen. (Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer  und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland. / OECD, Technische Universität München (2025): PISA Neuauswertung zur digitalen Informationskompetenz Jugendlicher in Deutschland).

Gleichzeitig wünschen sich über 80 % der befragten Jugendlichen mehr Unterstützung durch die Schule, um digitale Inhalte bewusster und reflektierter nutzen zu können. (Quelle: Vodafone Stiftung Deutschland (2025): Zwischen Bildschirmzeit und Selbstregulation – Soziale Medien im Alltag von Jugendlichen).

Für Lehrkräfte wird damit deutlich, dass die Förderung von Informationskompetenz im Unterricht längst kein Zusatzthema mehr ist. Sie bildet vielmehr eine zentrale Voraussetzung, um Schülerinnen und Schüler im deutschen Bildungssystem zu einem sicheren, selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit Informationen zu befähigen.

Begriffsklärung Informationskompetenz

Informationskompetenz (international als „Information Literacy“ bezeichnet) beschreibt die Fähigkeit, digitale Informationen zielgerichtet zu finden, kritisch zu bewerten und verantwortungsvoll zu nutzen. Entscheidend ist dabei nicht der reine Zugriff auf Informationen, sondern ihre reflektierte Einordnung. Schülerinnen und Schüler müssen heutzutage erkennen, welche Inhalte verlässlich sind, wie Informationen entstehen und welche Interessen dahinterstehen könnten.

Aktuelle internationale Vergleichsstudien zeigen jedoch, dass genau diese Kompetenzen vielen Jugendlichen noch fehlen. Die ICILS-Studie 2023 belegt, dass ein erheblicher Teil der Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland lediglich über grundlegende computer  und informationsbezogene Kompetenzen verfügt – insbesondere bei der Bewertung der Glaubwürdigkeit digitaler Quellen bestehen deutliche Defizite (Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer  und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland).

Ähnliche Ergebnisse zeigt die PISA-Neuauswertung 2025: Zwar finden die meisten 15-Jährigen Informationen im Internet ohne Schwierigkeiten, doch weniger als die Hälfte traut sich zu, deren Qualität zuverlässig einzuschätzen oder verschiedene Quellen systematisch zu vergleichen (Quelle: OECD/Technische Universität München (2025): PISA-Neuauswertung zur digitalen Informationskompetenz von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Deutschland).

Informationskompetenz wird damit zu einer zentralen Bildungsaufgabe. Sie befähigt Schülerinnen und Schüler, sich sicher und reflektiert in digitalen Informationsräumen zu bewegen. Zugleich unterstützt sie dabei, Desinformation zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu treffen und selbstständiges Lernen sowie gesellschaftliche Teilhabe im digitalen Zeitalter zu ermöglichen.

Bestandteile von Informationskompetenz sind:

  • den eigenen Informationsbedarf erkennen
  • Informationen gezielt suchen und finden
  • Quellen kritisch bewerten (Glaubwürdigkeit, Aktualität, Intention)
  • Informationen verarbeiten und einordnen
  • Inhalte ethisch und verantwortungsbewusst weitergeben

Abgrenzung: Informationskompetenz ist nicht gleich Medienkompetenz

Informationskompetenz wird häufig mit Medienkompetenz gleichgesetzt – beide Konzepte greifen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte auf.

Medienkompetenz fokussiert vor allem:

  • den Umgang mit Medienformaten
  • Mediennutzung und Mediengestaltung
  • Wirkung von Medieninhalten

Informationskompetenz konzentriert sich dagegen auf:

  • die Qualität von Informationen
  • die Bewertung von Quellen
  • die Einordnung von Inhalten
  • den bewussten, reflektierten Umgang 

Kurz gesagt:

  • Medienkompetenz fragt, wie Medien genutzt werden.
  • Informationskompetenz klärt, welchen Informationen vertraut werden kann – und warum.

Gerade im digitalen Raum dominieren algorithmische Empfehlungen, verkürzte Botschaften und die gezielte Verbreitung von Desinformationen. Dadurch gewinnt die klare Unterscheidung zwischen Informations- und Medienkompetenz für Schulen in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

Warum ist Informationskompetenz heute so wichtig?

Der Alltag junger Menschen findet zunehmend digital statt. Die Informationsmenge wächst rasant, gleichzeitig zirkulieren Fake News, Deepfakes und Desinformationen.

  • Viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben Schwierigkeiten, digitale Informationen kritisch zu bewerten, die Glaubwürdigkeit von Quellen einzuschätzen und Falschinformationen zuverlässig zu erkennen. (Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen in Deutschland; OECD/TUM (2025): PISA Neuauswertung)
  • Die aktuelle Jugendstudie der Vodafone Stiftung macht deutlich, dass viele junge Menschen sich im digitalen Informationsraum zunehmend überfordert fühlen und sich mehr Unterstützung durch die Schule wünschen (Quelle: Vodafone Stiftung Deutschland (2025): Zwischen Bildschirmzeit und Selbstregulation – Soziale Medien im Alltag von Jugendlichen)
  • Die IU-Studie „Medienkompetenz in Deutschland“ (2025) bestätigt generationenübergreifend große Unsicherheiten bei der Identifizierung glaubwürdiger Informationen und bei der Einordnung von Social-Media-Inhalten. (Quelle: IU Internationale Hochschule (2025): Medienkompetenz in Deutschland)

Was sollten Schülerinnen und Schüler heute können, um sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen?

Im Kern benötigen Schülerinnen und Schüler sechs zentrale Kompetenzbereiche:

1. Informationsbedarf erkennen

Schülerinnen und Schüler müssen lernen, gezielt Fragen zu formulieren, eigene Wissenslücken zu erkennen und den Informationszweck zu bestimmen (z. B. „Was möchte ich wirklich herausfinden?“).
→ Grundlage der meisten wissenschaftlichen Standards zu Informationskompetenz. 
(Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023; OECD/TUM (2025): PISA Neuauswertung)

2. Strategien zur Informationssuche anwenden

Dazu gehören:

  • Nutzung verschiedener Suchstrategien (Filter, Suchmaschinen, Operatoren)
  • Kenntnisse über Informationsquellen (seriöse Websites, Datenbanken, wissenschaftliche Angebote)
  • Verständnis von Algorithmen und deren Einfluss auf Suchergebnisse

→ ALA-, ARCL- und UNESCO-Standards betonen die Bedeutung gezielter Recherchestrategien.
(Quelle: American Library Association (2000); Association of College and Research Libraries (2016); UNESCO (2013))

3. Quellen kritisch bewerten

Dies gilt als Schlüsselkompetenz im Umgang mit digitalen Medien:

  • Glaubwürdigkeit, Objektivität, Aktualität und Herkunft prüfen
  • Unterschied zwischen Meinung, Werbung, Nachricht und wissenschaftlicher Information erkennen
  • Mechanismen von Fake News, Deepfakes und algorithmischen Verstärkungen verstehen

→ Aktuelle Studien zeigen, dass in diesen Bereichen die größten Defizite bei jungen Menschen bestehen. (Quelle: Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer  und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland.; OECD/Technische Universität München (2025): PISA Neuauswertung zur digitalen Informationskompetenz von 15 jährigen Schülerinnen und Schülern in Deutschland.)

→ Fachlexika unterstreichen, dass Informationskompetenz die Voraussetzung für fundiertes Wissen und demokratische Teilhabe ist.
(Quelle: UNESCO (2013): Global Media and Information Literacy Framework)

4. Informationen einordnen, vergleichen und ein eigenes Urteil bilden

Dies beinhaltet:

  • Zusammenführen verschiedener Quellen
  • Einordnung in einen Kontext
  • Reflexion über mögliche Bias (z. B. Bestätigungsfehler)

→ UNESCO und ALA definieren dies als Kern der „reflektierten Informationsverarbeitung”.
(Quelle: UNESCO (2013): Global Media and Information Literacy Framework; American Library Association (2000): Information Literacy Competency Standards for Higher Education).

5. Informationen sinnvoll nutzen und weitergeben – ethisch & rechtlich

Schülerinnen und Schüler müssen:

  • Urheberrechte, Lizenzen und Datenschutz berücksichtigen
  • Informationen verantwortungsvoll teilen
  • Kennzeichnungspflichten und Quellenangaben kennen

→ Pädagogische Definitionen betonen die ethische Verantwortung der Informationsweitergabe. 
(Quelle: American Library Association (2000): Information Literacy Competency Standards for Higher Education; Association of College and Research Libraries (2016): Framework for Information Literacy for Higher Education; UNESCO (2013): Global Media and Information Literacy Framework)

6. Metakompetenzen: digitale Resilienz & kritisches Denken

Dazu gehören:

  • Bewusstsein für Risiken digitaler Informationsräume (Filterblasen, manipulative Inhalte)
  • Fähigkeit, sich nicht von emotionalen/massentauglichen Inhalten leiten zu lassen
  • Verständnis für die demokratische Relevanz von Informationskompetenz

→ Informationskompetenz ist „Voraussetzung für informierten und rationalen Diskurs“ und damit Grundlage für Demokratie
→ Forschung zeigt, dass das sichere Navigieren durch Informationsfluten zunehmend entscheidend für gesellschaftliche Teilhabe ist. 
(Quelle: UNESCO (2013): Global Media and Information Literacy Framework; Eickelmann et al. (2024): ICILS 2023 – Computer  und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland; OECD/Technische Universität München (2025): PISA Neuauswertung zur digitalen Informationskompetenz Jugendlicher in Deutschland)

Kurzfazit für Schulen

Schülerinnen und Schüler benötigen heute mehr als reine Mediennutzung – sie brauchen ein tiefes Verständnis dafür, wie Informationen entstehen, wie sie manipuliert werden können und wie man sie kritisch bewertet

Informationskompetenz ist damit:

  • eine Schlüsselkompetenz der digitalen Welt,
  • eine Grundlage demokratischer Teilhabe,
  • eine zentrale Voraussetzung für Zukunfts- und Arbeitsfähigkeiten.

Coding For Tomorrow setzt sich für die Förderung von Informationskompetenz ein und bietet praxisnahe Unterrichtsmaterialien zu diesen Themen:

Wer schreibt hier?

Coding For Tomorrow ist eine Bildungsinitiative des gemeinnützigen Bildungsunternehmens tech & teach mit Sitz in Düsseldorf. Sie unterstützt Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler dabei, digitale Technologien und Medien eigenständig, kreativ und kritisch zu nutzen und fördert zentrale Kompetenzen des 21. Jahrhunderts.