Resilienz im Kindergartenalltag - nicht nur während einer Pandemie ein wichtiges Thema.
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Veröffentlichung: 15.09.2021

Gelassen ins neue Kindergartenjahr

Pädagog:innen, die Multitasking- Wunder: zwischen Windeln, Frühförderung, Administration und Elternarbeit. Die Held:innen des Alltags in Kindergarten und Kita. Wie das WIDEG Prinzip hilft, Prioritäten zu setzen, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Claudia Toth
Claudia Toth
Gastautorin

Nicht nur in der Corona-Pandemie haben die Elementarpädagog:innen bewiesen, wie flexibel, lösungsorientiert und systemrelevant sie sind.  Ohne Kindergarten geht es einfach nicht! 

Doch hat uns dieser Arbeitseinsatz einiges abverlangt. Es gab viele mentale und administrative Herausforderungen, die wir meistern mussten.  Die fehlende Anerkennung und Wertschätzung führten zu Frust und Resignation.

Wie können wir also gestärkt immer wiederkehrende neue Kindergartenjahre starten?

In diesem Artikel gebe ich Ihnen einen Einblick in das Thema Resilienz und möchte Ihnen neue Blickwinkel aufzeigen. Drei Tools stelle ich Ihnen vor, mit denen Sie Ihren Alltag im Kindergarten und auch privat erleichtern können. Durch die Veränderung Ihrer inneren Einstellung und Ihres States (also Ihres inneren Zustands) wird sich Ihre Resilienz mit jedem Mal steigern und die innere Widerstandskraft wachsen.

„Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht“
Jean Anouilh

Resilienz ist unsere innere Widerstandskraft. Wörtlich übersetzt bedeutet sie Elastizität (lat. resilire‎ „zurückspringen, abprallen“). Es ist die Fähigkeit aus Krisen gestärkt hervorzugehen.
Resilienz ist eine Fähigkeit, die in unserer Kindheit aufgebaut wird. Entscheidend dabei sind das familiäre Umfeld, unsere Erziehung und die Erfahrungen, die wir gemacht haben. Sie ist unser psychisches Immunsystem.
Wie jede Fähigkeit, ist Resilienz erlernbar.
Nicht nur in Krisenzeiten ist sie von essenzieller Bedeutung, sondern auch in unserem Alltag.
Menschen, die viel Resilienz besitzen sind optimistischer, geduldiger, stressresistenter, lösungsorientierter, disziplinierter, kreativer und flexibler. 

Es war einmal…:

Kennen Sie das Märchen der 3 kleinen Schweinchen?

Es waren 3 kleine Schweinchen, welche von zu Hause ausziehen mussten und sich nun ihr eigenes Haus bauen sollten und es gab den bösen, großen Wolf, welcher die Schweinchen essen wollte.
Das erste Schweinchen baute sich ein Haus aus Stroh, doch dann kam der Wolf und sagte:
"Ich werde strampeln und trampeln, ich werde husten und prusten und dir dein Haus zusammenpusten." Und so passierte es auch.
Das zweite Schweinchen baute sein Haus aus Holz und auch hier kam der böse Wolf und zerstörte das Haus.
Das dritte Schweinchen baute sein Haus aus Stein. Der Wolf kam wieder und pustete und pustete. Doch das Haus war so stabil, dass der Wolf vor lauter Anstrengung zerplatzte.

(Nacherzählt von Claudia Toth)

Warum ist dieses Märchen so wichtig und was hat es mit Resilienz zu tun?

Wir können uns Resilienz wie unser inneres Haus vorstellen. Je stabiler es ist, umso besser sind wir vor dem bösen Wolf, den Krisen und den Herausforderungen, geschützt. Es bietet uns außerdem einen Rückzugsort an, einen Platz, an dem wir Kraft schöpfen und uns sicher fühlen.
Welche Möglichkeiten haben wir nun, diese Resilienz aufzubauen, zu stärken und zu fördern?
Ich möchte Ihnen heute 3 Tools vorstellen, mit denen Sie neue Bedeutungsgebung finden, sich in einen anderen Zustand versetzen und an Ihren Ressourcen arbeiten können.

Das WIDEG Prinzip

Viktor Frankl, österreichischer Neurologe und Psychiater, überlebte vier Konzentrationslager, verlor seine gesamte Familie. Doch er zerbrach nicht etwa daran, sondern begründete dadurch die Logotherapie und Existenzanalyse, welche sich zentral mit der Reflexion und Bedeutungsgebung von Krisen beschäftigt. 

„Sinn muss gefunden werden, kann nicht erzeugt werden.“
Viktor Frankl.

Seine elementare Aussage ist, dass jeder Lebenssituation ein Sinn gegeben werden kann.
WIDEG ist ein Akronym für die Frage: Wofür ist dies eine Gelegenheit?

Anhand der folgenden Geschichte können Sie das Prinzip verstehen:

Zwei Frösche landeten in einem Topf voll Rahm. Sie glaubten nicht mehr daran, lebendig aus dem Topf herauszukommen. 
Ein Frosch gab auf und ertrank. Doch der andere Frosch war optimistisch und strampelte und strampelte, bis er aus dem Rahm Butter geschlagen hatte. So konnte er aus dem Topf hinaus klettern. Der Frosch hat an sich geglaubt und an seinem Ziel festgehalten, auch wenn es aussichtlos schien.

(Fabel: Ursprung Aesop)

Wenn Sie also wieder einmal das Gefühl haben, etwas läuft schief oder anders als geplant, stellen Sie sich die Frage: „Wofür ist dies eine Gelegenheit?“ 

Sie werden überrascht sein, welche Möglichkeiten und Chancen sich für Sie dadurch eröffnen. Es ist der erste Schritt in ein selbstbestimmtes, Möglichkeiten erkennendes und Chancen ergreifendes Leben.

Die entscheidende Frage

Die kommende Frage wird Ihnen helfen, sich besser kennenzulernen, auf Ihre Bedürfnisse zu achten und Ressourcen zu sammeln.

Sie wird Sie durch schwierige Zeiten begleiten und sicherstellen, dass Sie die Anzeichen von Überforderung rechtzeitig erkennen können. Und so einfach die Frage auch erscheinen mag, ist sie doch von elementarer Bedeutung.

Was braucht es, …
damit es mir gut geht?
damit die Situation für mich tragbar wird?
damit ich Ruhe bewahren kann?
damit ich dieses Elterngespräch gut führen kann?

Sie können jede beliebige Situation einsetzen. Natürlich ist diese Frage auch in der pädagogischen Arbeit mit den Eltern und den Kindern von wertvoller Unterstützung. Diese Coachingfrage führt dazu, dass wir uns mit uns selbst auseinandersetzen, uns zuhören, auf uns hören und Ressourcen aktivieren, die uns auch in anderen Situationen von Hilfe sein können. Die Zauberfrage ist der erste Schritt in die Ressourcenarbeit.

Prioritäten setzen

Prioritäten richtig setzen - klingt einfach? Ist es oftmals jedoch nicht.

Gerade im turbulenten Alltag verlieren wir unseren Fokus oftmals aus den Augen. 
Bedingt durch Umwelteinflüsse kommen immer wieder viele administrative Herausforderungen auf uns zu. Dienstanweisungen, ausfallende Personenressourcen, Reorganisation von Dienstplänen, um nur einen Teil zu nennen.

„Energie folgt der Aufmerksamkeit“
Nelson Mandela

Unsere Energie dreht sich viel zu oft um hauptsächliche um administrative Tätigkeiten.

Dadurch kann viel Unzufriedenheit entstanden, denn unsere berufliche Hauptaufgabe besteht darin, das Wohl der Kinder in den Vordergrund zu stellen.
Wie können Sie also die richtigen Prioritäten setzen, ohne die notwendigen administrativen Tätigkeiten zu vernachlässigen?


Zum einen ist es wichtig, einen strukturieren Tagesablauf zu haben. Nehmen Sie sich in der Früh eine halbe Stunde, um Ihre administrativen Tätigkeiten abzuhandeln. Dies führt zu einer Routine, welche zu einem Automatismus führt. 
So wie Zähne putzen ein Teil Ihres Tages ist, werden es auch die administrativen Tätigkeiten. Routinen empfinden wir nicht als belastend, sondern als Normalität und Sicherheit. Dadurch werden Belastung und negative Haltung von der Tätigkeit genommen. 

Zum anderen setzen Sie sich 3 erreichbare Ziele, welche sich auf Ihre Prioritäten beziehen. So werden der Fokus und Ihre Energie schrittweise wieder auf Ihr Ziel gelenkt. Durch die erreichbaren Ziele haben Sie Erfolgserlebnisse, welche wiederum Dopamin und Endorphine freisetzen. Diese Hormone sorgen dafür, dass Sie sich wohl fühlen, wieder mehr Energie und Motivation haben.

Sie haben es bestimmt schon erkannt, diese drei Tools zielen darauf ab, Ihr Mindset zu verändern, Situationen neue Bedeutungsgebungen zu verleihen, Ihr Stresslevel zu reduzieren, Prioritäten zu setzen und weniger Ärger und Frust aufkommen zu lassen.

Dadurch rücken Ihre Bedürfnisse und Ihr inneres Wohlbefinden wieder in den Vordergrund und bieten Ihnen somit die Chance Ihre Energie und Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken.

Download: Six Step Success - oder - Heute wird ein großartiger Tag!

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Wer schreibt hier?

Claudia Toth
Gastautorin
Claudia Toth ist Elementarpädagogin, Therapiehundeführerin, Lebens- und Sozialberaterin i.A.u.S., ausgebildete NLP- Trainerin und Mutter von 3 Kindern. Aufgrund ihrer eigenen, langjährigen Erfahrungen im System Kindergarten, liegt ihr das Coaching und Training von PädagogInnen besonders am Herzen. Durch die steigenden administrativen und mentalen Belastungen und die fehlende Kommunikation innerhalb des Systems – erschwert durch die Pandemie – setzt sie ihren großen Methodenkatalog ein, damit die PädagogInnen resilienter werden und ihre Kraft im Alltag wieder finden, um weiterhin gut für sich und die Bedürfnisse der Kinder da sein zu können.
Autorenfoto: @LisiLehnerFotografie