Kinder nutzen im Schulsport eine Slackline
Bewegung
Fachunterricht: Sport
Aktualisiert: 26.08.2019

Trendsportarten im Schulsport

Trendsportarten bringen frischen Wind in den Sportunterricht. Sie fördern nicht nur Koordination, Kreativität und Teamgeist, sondern motivieren Schülerinnen und Schüler, sich aktiv einzubringen und selbstständig neue Bewegungsformen zu entdecken. Der Beitrag zeigt, wie Sie Trendsport in Ihren Unterrichtintegrieren, welche Sportarten sich eignen und worauf sie achten können.
Lukas Ebert
Lukas Ebert
Gastautor

Trendsportarten können durchaus auch von Lehrerinnen und Lehrern in den Sportunterricht miteinbezogen werden.

Warum? Ganz einfach:

    • Die aktuellen Entwicklungstendenzen der gesellschaftlichen Sport- und Bewegungskultur sollen in den Unterricht integriert werden.
    • Ebenfalls sind solche Trendsportarten für SuS sehr reizvoll, da sie die Abwechslung im Sportunterricht sehr schätzen und ihre sportlichen Fähigkeiten ebenso gut trainieren wie in den traditionellen Sportarten.
    • Gleichermaßen können die SuS ihrer Kreativität freien Lauf lassen und können über den Sportunterricht hinaus gute und möglichst neuartige Lösungen für Probleme entwickeln.
    • Außerdem stärken Trendsportarten den Fairness- und Kooperationsgedanken. Beim Trendsport ,,Streetball“ wird beispielsweise ohne Schiedsrichter gespielt.

Wie werden Trendsportarten überhaupt definiert?

Laut Küßner (2002) sollen Trendsportarten als diejenigen Formen des Sporttreibens bezeichnet werden, die im Verlauf der gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen entstanden sind und den aktuellen Bedürfnissen der Individuen entsprechen. Daraus ergibt sich auch für den Sportunterricht die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen der Sport- und Bewegungskultur aufzugreifen.

Selbst Fußball war einmal eine Trendsportart und entwickelte sich von Jahr zu Jahr weiter. Es stellt eine Chance sowohl für die Lehrerinnen und Lehrer als auch für SuS dar und dient einem zeitgemäßen Unterricht.

Chancen für die Einbeziehung des Trendsports in der Schule

  1. Austesten neuer Sportarten/Trendsportarten im Schulsport
  2. Altersgerechte Anpassungen ermöglichen
  3. Traditionelle Sportarten ergänzen
    Trendsport heißt nicht Contra traditioneller Sport, sondern Kombination traditioneller Sportarten + Erweiterung (Boccia → Crossboccia)
  4. Unterschiedliche Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen

Vermittlung von Trendsport

  1. verschiedene Perspektiven berücksichtigen
  2. Freiräume für Mitgestaltung und Selbstorganisation geben
  3. Veränderbarkeit des (Trend)Sports bewusst machen
  4. ganzheitlich und mit stetem Anwendungsbezug vermitteln, „Fehler“ zulassen
  5. selbstgesteuertes Lernen berücksichtigen, Schülerinnen und Schüler als Expertinnen und Experten einsetzen
  6. „Habitus“ und Rituale bewusst machen
  7. stilistische Aspekte in die Bewertung einbeziehen
  8. Bewegungsräume in der Umgebung erkunden und zugänglich machen
  9. Trendsport-Events sachgerecht inszenieren
  10. Trendsport reflektieren

Die Rolle der Lehrkraft im Trendsport

Trendsportlehrkräfte

    • sind offen für Neues und Unbekanntes.
    • sind mehr Organisatoren und Koordinatoren, die die Rahmenbedingungen festlegen und arrangieren.
    • sind mehr Betreuende und Beratende, die die Schülerinnen und Schüler bei der selbsttätigen Auseinandersetzung mit der Sache begleiten.
    • sind mehr Beobachtende, der nicht vorschnell in Lernprozesse eingreifen.
    • sind mehr Sozialarbeiter, die die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Rollenanforderungen konfrontieren.
    • sind mehr Moderierende, die die kognitive Ebene beleben und die Schülerinnen und Schüler zum Reflektieren auffordert und anleiten.
    • scheuen sich nicht, externe Unterstützung, etwa durch Expertinnen und Experten, in Anspruch zu nehmen.
    • initiieren Projekte und suchen nach fachübergreifenden Anschlussmöglichkeiten.
    • behalten als Zielperspektive insbesondere auch die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler zur Teilhabe am informellen außerschulischen Sport im Blick.
    • setzen sich als Anwälte der Schülerinnen und Schüler für die Öffnung der Schule, die Zugänglichkeit von Räumen und die Bereitstellung von Materialien ein.

[nach Laßleben, A. (2009). Trendsport im Schulsport. Hamburg: Czwalina]

WelcheTrendsportarten sind für die Schule geeignet?

Pickleball

Pickleball enthält Elemente aus Tennis, Badminton und Tischtennis. Gespielt wird mit einem festen Schläger, dem sogenannten Paddle, und einem leichten Kunststoffball mit Löchern. Bälle für den Outdoorbereich haben mehr, aber dafür kleinere Löcher als Indoorbälle. Das Spielfeld ist deutlich kleiner als ein Tennisplatz und wird durch ein niedriges Netz geteilt.

Wie wird es gespielt?

Pickleball kann im Einzel oder Doppel gespielt werden. Der Aufschlag erfolgt von unten und diagonal in das gegenüberliegende Aufschlagfeld. Eine Besonderheit ist die sogenannte Two-Bounce-Regel: Sowohl der Aufschlag als auch der anschließende Rückschlag müssen zunächst einmal aufspringen, bevor der Ball auch direkt aus der Luft gespielt werden darf.

Direkt am Netz befindet sich außerdem eine Non-Volley-Zone, die häufig „Kitchen“ genannt wird. Wer in diesem Bereich steht, darf den Ball nicht direkt aus der Luft spielen. Dadurch entstehen auch bei geringem Platzbedarf abwechslungsreiche und taktische Ballwechsel.

Für den Sportunterricht eignet sich Pickleball besonders, da die Grundidee schnell verständlich ist und sich erste Ballwechsel vergleichsweise leicht entwickeln lassen. Gefördert werden unter anderem Auge-Hand-Koordination, Reaktionsfähigkeit, Platzierung und taktisches Zusammenspiel. Spielfeldgröße und Regeln lassen sich für Einsteigerinnen und Einsteiger zusätzlich vereinfachen.

Tipp für den Unterricht:

Für den Einstieg kann zunächst auf verkleinerten Feldern und mit vereinfachter Punktewertung gespielt werden. Als erste Aufgabekönnen die Paare z. B. zählen, wie viele Ballwechsel sie hintereinander schaffen. Das sorgt schneller für Erfolgserlebnisse als ein direktes Wettkampfspiel. Besonders im Doppel sind bereits mit wenigen Grundregeln längere Ballwechsel möglich.

Roundnet

Roundnet ist ein dynamisches Ballspiel, bei dem ein kleiner ,,Gummiball“ auf eine Art Trampolin geschlagen werden muss. In der Regel spielen zwei Teams mit jeweils zwei Spielerinnen und Spielern gegeneinander. 

Wie wird es gespielt?

Ein Team spielt den Ball auf das Netz, sodass er anschließend für das gegnerische Team abspringt. Dieses darf den Ball mit bis zu drei Berührungen untereinander spielen, bevor er wieder auf das Netz geschlagen wird. Nach dem Aufschlag können sich die Spielerinnen und Spieler frei um das Netz bewegen – feste Spielfeldseiten gibt es nicht. Ein Punkt wird beispielsweise erzielt, wenn das gegnerische Team den Ball nicht regelgerecht zurück auf das Netz spielen kann.

Für den Sportunterricht eignet sich Roundnet besonders, da es Reaktionsfähigkeit, Ballgefühl, Koordination und Zusammenspiel fördert. Die Regeln lassen sich für Einsteigerinnen und Einsteiger vereinfachen und an unterschiedliche Leistungsniveaus anpassen.

Tipp für den Unterricht:

Roundnet Germany stellt speziell für den Schulsport Infos und Tipps zur Verfügung.

Discgolf

Discgolf ist eine Kombination aus Golf und Frisbee. Dabei wird versucht, von einem festgelegten Abwurfpunkt mit möglichst wenigen Würfen einen Frisbee-Korb zu treffen

Wie wird es gespielt?

Eine Bahn beginnt an einem festgelegten Abwurfpunkt. Nach jedem Wurf wird von der Stelle weitergespielt, an der die Scheibe liegen geblieben ist. Die Bahn ist beendet, sobald die Disc im Zielkorb landet. Gewonnen hat, wer für den gesamten Parcours die wenigsten Würfe benötigt.

Für den Sportunterricht eignet sich Discgolf besonders, da sich Entfernungen und Schwierigkeitsgrad leicht an Alter und Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler anpassen lassen. Neben Wurftechnik und Koordination werden auch Konzentration und taktisches Spielen gefördert. Ein kleiner Parcours lässt sich beispielsweise auf dem Sportplatz, Schulhof oder einer geeigneten Grünfläche aufbauen.

Tipp für den Unterricht:

Für den Einstieg reichen wenige, kürzere Bahnen. Markierungen oder andere geeignete Ziele können als Alternative zu Discgolf-Körben dienen. 

Wikingerspiel

Das Wikingerspiel ist ein taktisches Gesellschschaftspiel, bei dem zwei Teams mithilfe von Holzklötzen für ihren „König“ kämpfen. Ziel ist es, zunächst die kleinen Holzklötze des gegnerischen Teams umzuwerfen und anschließend den König in der Mitte des Spielfelds zu treffen.

Wie wird es gespielt?

Die Teams werfen abwechselnd mit Wurfhölzern auf die gegnerischen Holzklötze. Umgeworfene Klötze werden in die gegnerische Spielfeldhälfte geworfen und müssen dort zunächst getroffen werden, bevor wieder auf die Kubbs an der Grundlinie geworfen werden darf. Sind alle gegnerischen Kubbs gefallen, darf das Team versuchen, den König umzuwerfen. Wer den König zuvor trifft, verliert das Spiel.

Für den Sportunterricht eignet sich das Spiel besonders, da es Geschicklichkeit, Zielgenauigkeit, Konzentration und taktisches Denken miteinander verbindet. 

Tipp für den Unterricht:

Für Einsteigerinnen und Einsteiger können die Wurfdistanzen verkürzt werden. Kleinere Teams sorgen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler häufiger zum Zug kommen.

rechts: Frau laminiert, links Junge auf Pedalo

Flag Football

Flag Football ist eine kontaktarme Abwandlung des American Football. Wesentlicher Unterschied dabei ist, dass die Verteidigung den ballführenden Angreifer stoppt, indem sie ihm ein Fähnchen (Flag) aus dem Gürtel zieht. 

Wie wird es gespielt?

Ziel ist es, den Ball durch Lauf- und Passspiel in die gegnerische Endzone zu bringen und dort Punkte zu erzielen. Die angreifende Mannschaft versucht dabei, Raumgewinn zu erzielen, während die Verteidigung den Spielzug durch das Ziehen einer Flagge beendet. Im verbreiteten 5-gegen-5-Format stehen sich jeweils fünf Spielerinnen und Spieler gegenüber.

Für den Sportunterricht eignet sich Flag Football besonders, da es Schnelligkeit, Koordination, Reaktionsfähigkeit und taktisches Zusammenspiel fördert. Da auf Tacklings verzichtet wird, lässt sich das grundlegende Spielprinzip des American Football vergleichsweise niedrigschwellig vermitteln. Regeln, Feldgröße und Mannschaftsstärke können für den Unterricht zusätzlich vereinfacht und angepasst werden.

Gut zu wissen:

Flag Football wird bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles erstmals Teil des olympischen Programms sein.

Auf der Seite Sportpädagogik-online finden Sie Praxisbeispiele und Materialien zu Flag Football im Sportunterricht.

Slackline

Slacken ist eine Trendsportart ähnlich dem Seiltanzen, bei der man auf einem Gurtband balanciert, das zwischen zwei Befestigungspunkten gespannt ist. Anders als ein straff gespanntes Seil gibt die Slackline unter Belastung nach und fordert dadurch besonders Gleichgewicht, Koordination und Körperspannung.

Wie wird es gespielt?

Für den Einstieg versuchen die Schülerinnen und Schüler zunächst, sicher auf der Slackline zu stehen und einzelne Schritte zu gehen. Mit zunehmender Sicherheit können längere Strecken, Richtungswechsel oder kleine Bewegungsaufgaben hinzukommen. Auch Partnerübungen sind möglich.

Für den Sportunterricht eignet sich Slacklinen besonders zur Förderung von Gleichgewicht, Konzentration und Körperwahrnehmung. 

Wichtig für den Unterricht:

Die Slackline sollte nur an dafür geeigneten und sicheren Befestigungspunkten angebracht werden. Aufbau, Spannung und Material müssen vor der Nutzung kontrolliert und die Vorgaben des Herstellers beachtet werden. Je nach Aufbau und Unterrichtssituation sollte der Bereich zusätzlich mit geeigneten Matten abgesichert werden.

Werden Bäume zur Befestigung genutzt, sollte ein geeigneter, ausreichend breiter Baumschutz angebracht werden. Durch die hohen Zugkräfte der Slackline können sonst Druck- und Reibungsschäden an der Rinde entstehen und dem Baum schaden. Bei einer längeren oder dauerhaften Anbringung einer Slackline, sind deshalb Pfosten zu bevorzugen.

Crossboccia

Crossboccia ist ein durch Erweiterung der Sportart Boccia entstandener Trendsport. Es wird mit weichen, mit Granulat gefüllten Stoffbällen gespielt.

Dieser Sport spricht alle Altersgruppen an, ist integrativ, dynamisch und fordert die Kreativität der SuS. Im Grunde werden die Spielregeln des Boccias beibehalten, mit Einschränkung des Spielortes. Es ist kein festes Spielfeld nötig: Das Spiel kann in der Halle, auf dem Pausenhof, in den Klassenräumen, aber auch im Schwimmbad gespielt werden. 

Wie wird es gespielt?

Zunächst wird ein kleiner Zielball, der sogenannte Marker, ausgeworfen. Anschließend versuchen die Spielerinnen und Spieler, ihre eigenen Bälle, meist 3, möglichst nah am Marker zu platzieren.

Der Spieler, dessen Spielball am weitesten vom Marker entfernt liegt, wirft nun seinen zweiten Spielball usw. Jeder Spielball, der näher zum Marker liegt als einer der gegnerischen Bälle, zählt einen Punkt.

Liegt ein Spielball auf einem gegnerischen Ball mindestens zur Hälfte auf, so ist dies ein „Kill“ und der gegnerische Ball wird nicht gewertet.
Es wird in Sätzen gespielt, bis ein Spieler 13 Punkte und 2 Sätze für sich entschieden hat.

Das Spiel Crossboccia kann auf vielfältige Art und Weise umgesetzt werden. Hierfür ist es wichtig, dass der Lehrer keine strikten Regeln vorgibt, sodass die Schülerinnen und Schüler sowohl dynamisch als auch kreativ spielen können. 

Für den Sportunterricht eignet sich Crossboccia besonders, da es Zielgenauigkeit, Koordination, Kreativität und taktisches Denken verbindet. 

Tipp für den Unterricht:

Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler selbst neue Wurfaufgaben oder Regeln entwickeln – beispielsweise über eine Bank, gegen eine Wand oder mit der ungeübten Hand.

Cornhole

Cornhole ist ein Zielwurfspiel, bei dem kleine mit Granulat gefüllte Säckchen – sogenannte Bags – auf ein schräg aufgestelltes Holzbrett mit einem Loch geworfen werden. Gespielt wird einzeln oder in Teams.

Wie wird es gespielt?

Die Spielerinnen und Spieler werfen abwechselnd ihre Bags auf das gegenüberliegende Cornhole-Board. Bleibt ein Bag auf dem Board liegen, gibt es einen Punkt. Fällt er durch das Loch, werden drei Punkte erzielt. Nach einer Runde werden die Punkte miteinander verrechnet.

Für den Sportunterricht eignet sich Cornhole besonders, da die Regeln schnell verständlich sind und kaum Vorerfahrung erforderlich ist. Gleichzeitig trainiert das Spiel Zielgenauigkeit, Dosierung der Wurfkraft und Konzentration.

Tipp für den Unterricht:

Für Einsteigerinnen und Einsteiger kann der offizielle Abstand deutlich verkürzt werden. 

Footbag (Hacky Sack)

Beim Footbag, häufig auch Hacky Sack genannt, wird ein kleines, mit Granulat oder Sand gefülltes Stoffsäckchen mit Füßen und Beinen in der Luft gehalten. Gespielt werden kann allein, zu zweit oder in der Gruppe.

Hacky Sacks können Sie auch ganz einfach selbst machen: Auf der Seite „Helles Köpfchen.de“ finden Sie eine Anleitung für gehäkelte Footbags.

Wie wird es gespielt?

Ziel ist es, den Footbag mit Beinen oder Füßen möglichst häufig zu spielen, ohne dass er auf den Boden fällt. In der Gruppe wird er von Person zu Person weitergegeben. Fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler können unterschiedliche Kicks und Tricks ausprobieren oder eigene Aufgaben und Spielvarianten entwickeln.
Für den Sportunterricht eignet sich Footbag besonders, da nur wenig Material und Platz benötigt werden und sich die Übungen leicht an unterschiedliche Leistungsniveaus anpassen lassen.
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Lukas Ebert
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Lukas Ebert studiert Sport und Deutsch mit dem Ziel, Realschullehrer zu werden.