Wie lässt sich das Thema Lernstörungen unkompliziert im Unterricht ansprechen?
Sie müssen keine umfassenden Projekte starten oder Experte sein, denn schon kurze, gezielte Gespräche können Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen.
Im Folgenden finden Sie vier alltagstaugliche Impulse, mit denen Sie das Thema Lernstörungen direkt und ohne großen Aufwand in Ihrer Klasse behandeln können.
1. Einfacher Einstieg mit Videos und Büchern
Altersgerechte Videos oder Kinderbücher machen das Thema schnell und verständlich zugänglich – auch in einer Frühstückspause ohne großen Vorbereitungsaufwand. Empfehlenswert sind etwa Beiträge aus der „Sendung mit der Maus“ oder Materialien vom Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie, die kindgerecht erklären und Hemmschwellen abbauen. Bücher wie „Luis kann (noch) nicht lesen“ oder „Mea, die Meeresschildkröte“ bieten einen entspannten Einstieg und regen zum Gespräch an.
Wichtig: Lassen Sie Raum für Fragen, wie z. B. „Warum braucht jemand beim Lesen und Rechnen mehr Zeit?“ und „Warum nutzen einige Kinder Hilfsmittel im Unterricht?“ Diese Videos und Bücher unterstützen auch einen anderen Blick auf Lernstörungen, nicht nur auf die Defizite, sondern auch auf die Ressourcen, die vorhanden sind.
Weitere Tipps für Bücher und Videos, die in den Unterricht integriert werden können, finden Sie bei Sabine Landua (Psychoedukation in der Lerntherapie) und Susanne Seyfried (Mutmachgeschichten für Schüler mit Rechenschwäche, LRS oder AD(H)S).
2. Fächerübergreifend und ohne zusätzlichen Zeitaufwand
Psychoedukation lässt sich einfach in den bestehenden Unterricht integrieren – vor allem, wenn mehrere Fächer zusammenarbeiten. Im Deutschunterricht bieten sich z. B. Texte oder Lektüren an, die unterschiedliche Lernwege thematisieren, während Ethik oder Religion Werte wie Respekt und Vielfalt vertiefen. Oft genügt es, an bekannte Materialien und Gespräche anzuknüpfen, damit das Thema ohne zusätzlichen Zeitdruck alltagsnah bleibt.
3. Gemeinsame Klassenregeln für einen offenen Umgang
Kinder mit Lernschwierigkeiten brauchen einen sicheren, wertschätzenden Raum. Gemeinsame Klassenregeln wie „Fehler sind okay – wir lernen daraus“, „Alle dürfen im eigenen Tempo lernen“ und „Wir unterstützen uns gegenseitig“ fördern Rücksicht und Vielfalt.
Auch die Sprache der Lehrkraft ist wichtig: Statt „Du hast LRS“ hilft zum Beispiel „Dein Gehirn sortiert Buchstaben anders und gemeinsam finden wir Wege, die es dir leichter machen.“ Stärkende Bilder wie „Dein Lesemuskel trainiert noch“ nehmen Druck heraus. Unterschiede sind normal – manche Kinder lernen eben anders und das ist völlig in Ordnung.
Im Zentrum steht emotionale Sicherheit: Beziehung und Vertrauen kommen vor Leistung. Die Lehrkraft bleibt entspannt und geht wertschätzend mit Vielfalt und Fehlern um, sichtbar durch Regeln im Klassenraum und regelmäßige Reflexion im Klassenrat. So entsteht eine unterstützende Lernkultur für alle.
Weitere Impulse zur positiven Fehlerkultur aus unserem Lerntherapeuten Netzwerk hier im Betzold Blog "Fehler als Chance – eine neue Perspektive auf Scheitern in der Schule".