Machtstrukturen im Kindergarten erkennen und verbessern.
Leitung
Alltag
Veröffentlichung: 10.11.2024

Adultismus im Kindergarten: Machtstrukturen in der pädagogische Praxis

Machtstrukturen zwischen Kindern und Erwachsenen erkennen und die Mitsprache aller ermöglichen. Adultismus als systematische Diskriminierung von Kindern vermeiden und typische Erscheinungsformen in der Praxis erkennen.
Janine Landwermann
Janine Landwermann
Online-Redakteurin

Was ist Adultismus?

Adultismus ist ein Begriff, der das ungleiche Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern beschreibt. Dieses Ungleichgewicht resultiert in einer möglichen Diskriminierung von Kindern, da Erwachsene aus unterschiedlichen Gründen die Kontrolle über Entscheidungen, Regeln und den Alltag haben. Diese Form der Diskriminierung zeigt sich in vielen Aspekten des Alltags, und kann auch in pädagogischen Einrichtungen wie Kindergärten oder Kitas vorkommen.

Typische Erscheinungsformen in der Praxis

Adultismus kann in der Art und Weise auftreten, wie mit Kindern kommuniziert wird. Beispielsweise wird dann mit Kindern in einem Ton gesprochen, der die Position des Erwachsenen als überlegen und die des Kindes als minderwertig darstellt. Aussagen wie „Das ist nichts für dich“ oder „Weil ich es sage“ spiegeln wider, wie Kindern Handlungsspielräume entzogen werden. Diese Kommunikation verstärkt ein Gefühl der Ohnmacht bei Kindern und hemmt deren Entwicklung zu selbstbewussten, eigenständigen Persönlichkeiten.

Ein weiteres Beispiel für Adultismus ist die Durchsetzung von Regeln ohne Erklärung. Setzen Erwachsene Regeln durch, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ohne die Kinder in den Prozess und die Hintergründe miteinzubeziehen, vermittelt dies den Eindruck, dass die Meinung der Kleinen nicht zählt, was ihr Gefühl der Partizipation und Selbstwirksamkeit einschränkt.

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Herausforderungen und Lösungsansätze

Um Adultismus im Kindergarten zu begegnen, ist es wichtig, den Kindern mehr Mitspracherecht zu geben. Das bedeutet, ihre Ansichten ernst zu nehmen und sie aktiv in Entscheidungen einzubeziehen, die sie betreffen. Eine einfache, aber effektive Maßnahme ist es, Kindern Fragen zu stellen und ihre Ideen und Lösungen für alltägliche Probleme zu berücksichtigen. Dies fördert nicht nur ihr Selbstbewusstsein, sondern auch ihre Bereitschaft zur Kooperation.

Beispiele aus der Praxis zur Reduzierung von Adultismus

In vielen Kindergärten gibt es bereits erfolgreiche Ansätze, um Adultismus zu reduzieren. Ein Beispiel ist das „Kinderparlament“, in dem Kinder gemeinsam über bestimmte Aspekte des Kita-Alltags entscheiden dürfen. Hierbei können sie eigene Vorschläge machen und in demokratischen Abstimmungen ihre Meinung vertreten. Diese Art der Partizipation hilft, ein Gefühl der Gleichwertigkeit zu schaffen und fördert die Entwicklung von Sozialkompetenzen und Verantwortungsbewusstsein.

Eine weitere Methode ist der dialogische Austausch. Indem Erzieherinnen und Erzieher Gespräche auf Augenhöhe mit den Kindern führen und deren Meinungen als wertvoll erachten, wird eine positive Lernumgebung geschaffen. Auch das bewusste Vermeiden von abwertender Sprache, wie z. B. „Du bist noch zu klein, um das zu verstehen“, unterstützt die Wertschätzung und den Respekt gegenüber den Kindern.

Weitere Tipps:

  • Auf die Wortwahl im Umgang mit Kindern achten: Wie unterscheiden sie sich von denen, die man in derselben Situation mit Erwachsenen verwenden würde? Werden Lösungen besprochen oder Befehle erteilt? Wird auf Augenhöhe und bedürfnisorientiert kommuniziert?
  • Kritik am Verhalten des Kindes: Hier hilft oft ein kurzes Innehalten. Ist dies eine einmalige Situation oder wiederholt sie sich? Oft werden Kinder bei Dingen korrigiert, die unter Umständen gar nicht wieder auftauchen.
  • Anpassung der Denkweise gegenüber Kindern: Eine wertschätzende Atmosphäre ist wichtig, um das Wachstum und die Leistungen, die Kinder jeden Tag meistern, zu ermöglichen.

Adultismus im Kindergarten ist ein Thema, das heute immer weniger in der pädagogischen Praxis verwurzelt ist. Die bewusste Förderung von Partizipation ist entscheidend, um eine Atmosphäre der Gleichberechtigung zu schaffen. Durch die Einbeziehung von Kindern als gleichwertige Partner im Bildungsprozess können pädagogische Fachkräfte dazu beitragen, die Potenziale jedes Kindes zu entfalten und eine respektvolle, förderliche Umgebung zu gestalten.

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Wer schreibt hier?

Janine Landwermann
Online-Redakteurin
Erinnern Sie sich noch an den Namen „Ihrer“ Erzieherin aus dem Kindergarten? Ich erinnere mich noch sehr gut an Frau Müller und die endlose Geduld, mit der sie uns Kinder damals im turbulenten Erzieher-Alltag gebändigt, motiviert, begleitet und unterstützt hat. Seit 2013 recherchiere ich bei Betzold in Ellwangen für Sie und Frau Müller Wissenswertes und Hilfreiches aus den Bereichen Pädagogik, Bildung und Organisation. 
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