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Aktualisiert: 27.04.2021

Rituale im Unterricht

Rituale im Unterricht sind Bestandteil eines erfolgreichen Classroom Managements. Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie Rituale einführen und zielgerichtet einsetzen können sowie Anregungen für passende Unterrichtsrituale.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Häufig gestellte Fragen zu Ritualen im Unterricht

Was sind Rituale im Schulunterricht?

Rituale im Unterricht sind wiederkehrende Abläufe oder Handlungen zur Unterrichtsgestaltung, wie Ruhezeichen oder Begrüßungen. In der Regel werden diese Rituale gemeinsam von Lehrkräften und der Klasse vereinbart und eingeübt. Der wiederholende Aspekt von Ritualen dient der Strukturierung des Schultags und der Unterstützung von festgelegten Regeln.

Was ist der Unterschied zwischen Regeln, Routinen und Ritualen?

  • Regeln beinhalten meist Verpflichtungen oder Verbote und zeigen, welches Verhalten in der Klasse erwartet wird. Sie geben Orientierung und schaffen einen verlässlichen Rahmen für das gemeinsame Lernen. Beispiele sind: „Wir lassen einander ausreden“ oder „Wir gehen im Klassenraum langsam.“
  • Routinen sind wiederkehrende Abläufe, die den Schulalltag strukturieren. Sie werden regelmäßig durchgeführt und müssen deshalb mit der Zeit nicht mehr jedes Mal neu erklärt werden. Dazu gehören beispielsweise der morgendliche Start in den Unterricht, das Austeilen von Materialien oder das Aufräumen nach einer Arbeitsphase.
  • Rituale gehen über reine Abläufe hinaus: Sie haben eine besondere Bedeutung für die Klassengemeinschaft und können Sicherheit, Zugehörigkeit und Orientierung vermitteln. Ein Begrüßungslied, ein gemeinsamer Wochenabschluss oder ein Morgenkreis können zu solchen Ritualen werden.

Welche Vorteile haben Rituale im Unterricht?

  1. Sie strukturieren und gliedern den Unterricht.
  2. Sie erleichtern Übergänge zwischen verschiedenen Unterrichtsphasen.
  3. Sie geben den Schülerinnen und Schülern Orientierung, Sicherheit und Verlässlichkeit im Schulalltag.
  4. Sie können sich positiv auf das Miteinander in der Klassengemeinschaft auswirken und das Gemeinschaftsgefühl stärken.
  5. Sie fördern die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler.
Info

Ein gutes Team: Regeln und Rituale

    • Regeln sollen Grenzen und Konsequenzen aufzeigen und
    • dadurch einen störungsfreien Unterricht gewährleisten sowie
    • den Umgang miteinander regeln.

Während Regeln rational begründet sind, am besten gemeinsam mit der Klasse ausgehandelt und festgeschrieben werden, wirken Rituale durch ihre Symbolkraft und haben häufig Aufforderungscharakter.

Die beiden Ansätze ergänzen sich somit ideal! 

Regeln schaffen einen verlässlichen Rahmen für das Miteinander, während Rituale dabei helfen, diesen Rahmen im Schulalltag mit Leben zu füllen.

Das erklärt, warum so viele Lehrerinnen und Lehrer eine manchmal mühsame Einführungsphase in Kauf nehmen – mittel- und langfristig erleichtern Rituale und Regeln das Lehren und Lernen immens, verringern Unterrichtsstörungen und Lärm und sparen dadurch wertvolle Unterrichtszeit!

Weitere Infos zum Thema Klassenregeln finden Sie im Beitrag "Wie Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern Klassenregeln erarbeiten".

Rituale im Unterricht zielgerichtet einsetzen

Manche Handlungen haben sich vielleicht im Unterrichtsablauf ritualisiert, ohne dass Sie dies bewusst bezweckt haben. Allerdings können zielgerichtet eingesetzte Rituale ihre Wirkung noch besser entfalten. So ist gewährleistet, dass alle Beteiligten den Ablauf verinnerlicht haben und sich über den Sinn hinter dem Symbol im Klaren sind.

Damit ein Ritual langfristig funktioniert, sollte es zum Ablauf, zur Lerngruppe und zum jeweiligen Anlass passen: Nicht jedes Ritual eignet sich für jede Klasse oder Unterrichtssituation. Berücksichtigen Sie daher das

  • Alter der Schülerinnen und Schüler,
  • die jeweilige Lernsituation sowie
  • die Zusammensetzung und Bedürfnisse der Klasse. Z

Ein Ritual, das in einer Lerngruppe gut funktioniert, kann in einer anderen weniger passend sein.

Zum Glück sind Rituale so variantenreich und bieten unglaublich viele Einsatzmöglichkeiten.

Besonders wichtig sind Rituale in der Volksschule für frisch eingeschulte Kinder. Sie geben Halt und Struktur und erleichtern so den nicht immer einfachen Übergang vom Kindergarten zur Schule.

Sinnvoll ist außerdem, dass gemeinsam unterrichtende Lehrkräfte sich über wichtige Klassenrituale abstimmen, damit die Kinder möglichst verlässliche Abläufe erleben. Je häufiger sie eingesetzt werden, umso schneller verinnerlichen die Kinder die Rituale und alle profitieren von den Vorteilen!

Lehrer mit Lärmampel
Rituale können im Unterricht wichtige Funktionen einnehmen, Quelle: Betzold

Tipps für die Einführung von Ritualen

Wie bei der Einführung von Regeln können Sie Ihre Schülerinnen und Schüler am Entstehungsprozess eines neuen Rituals einebziehen. Besprechen Sie das Ziel, das durch das Ritual erreicht werden soll und wie der Ablauf gestaltet werden könnte. (Je nach Ritual können Sie den Ablauf aber auch selbst festlegen und anschließend mit der Klasse besprechen.)

Sammeln Sie z. B. Ideen für ein Ruhezeichen und wählen Sie gemeinsam ein Zeichen aus, das auch Ihre Schülerinnen und Schüler super finden. So können die Schülerinnen und Schüler das Ritual aktiv mitgestalten.

Wichtig ist, dass allen klar ist, wann und wie das Ritual zum Einsatz kommt. Beispiele und ein paar Übungsdurchgänge helfen den Ablauf zu verinnerlichen.

Wenn der Ablauf klar ist, sind regelmäßige Wiederholungen wichtig. Mit der Zeit werden den Kindern die einzelnen Schritte vertraut und sie können sie  zunehmend selbstständig umsetzen. Beobachten Sie dabei, ob es sich im Alltag bewährt oder angepasst werden sollte.

Gefahren beim Einsatz von Ritualen

Rituale sollten nicht unkritisch übernommen werden. Ihre Geschichte zeigt, dass sie nicht nur Orientierung und Gemeinschaft schaffen, sondern auch zur Disziplinierung, Ausgrenzung und politischen Beeinflussung eingesetzt werden können. So war es bis ins 19. Jahrhundert beispielsweise verbreitet, dass Kinder bei falschen Antworten eine Kappe mit Eselsohren tragen mussten. Während der NS-Zeit wurde der Hitlergruß als verpflichtendes Ritual auch im Schulalltag eingesetzt und damit zur Vermittlung nationalsozialistischer Ideologie instrumentalisiert.  

Diese Beispiele machen deutlich: Rituale sind nicht automatisch pädagogisch sinnvoll. Entscheidend ist, welchem Zweck sie dienen, welche Werte sie vermitteln und wie sie von den Schülerinnen und Schülern erlebt werden. Ein Ritual sollte niemals dazu dienen, Kinder bloßzustellen, auszugrenzen oder unter Druck zu setzen!

Auch heute können Rituale problematisch werden, wenn sie erstarren und zwanghaft durchgeführt werden. Dann werden sie schnell zu einer leeren Hülle: Die Schülerinnen und Schüler führen einzelne Schritte nur noch aus, ohne deren Bedeutung wahrzunehmen.

Ein Beispiel sind lange Begrüßungsformeln wie „Einen wunderschönen guten Morgen Frau/Herr XY. Schön Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen?“, die nur noch heruntergeleiert werden, ohne dass die Worte noch eine Bedeutung haben.

Rituale sollten deshalb veränderbar und anpassungsfähig bleiben. Prüfen Sie regelmäßig, ob sie noch zur Klasse, zur Situation und zum Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler passen. Wenn ein Ritual seinen Sinn verliert oder von der Klasse nicht mehr als hilfreich erlebt wird, darf es verändert oder auch abgeschafft werden.

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Rituale im Schulalltag: 8 Ideen für verschiedene Unterrichtssituationen

Rituale können an ganz unterschiedlichen Stellen im Schulalltag eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Rituale einzuführen, sondern solche auszuwählen, die zur Klasse, zur Situation und zu Ihnen als Lehrkraft passen.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie Sie wiederkehrende Situationen im Unterricht bewusst gestalten können.

1. Rituale zur Stundeneröffnung

Situation: Nach der Pause beginnt eine neue Unterrichtsstunde. Die Kinder kommen zurück an ihre Plätze und müssen sich wieder auf den Unterricht einstellen.

Idee: Ein kurzes Begrüßungsritual markiert den Beginn der gemeinsamen Lernzeit. Es signalisiert den Schülerinnen und Schülern, dass nun von ihnen erwartet wird, die Konzentration auf Sie und den Unterricht zu wenden und private Gespräche einzustellen.

Das kann ein einfaches „Guten Morgen“ sein, ein Begrüßungsspruch, ein Lied oder ein kurzes Signal. Im Fremdsprachenunterricht bietet sich beispielsweise eine Begrüßung in der jeweiligen Sprache an. 

Tipp: Halten Sie das Ritual möglichst kurz und unkompliziert. Es soll den Übergang in den Unterricht unterstützen und nicht selbst zum Programmpunkt werden. 

Mehr Tipps zum Thema Unterrichtseinstiege erhalten Sie Beitrag "Beispiele für einen guten Start in den Unterricht".

2. Rituale zum Start in die Woche

Situation: Die Schülerinnen und Schüler haben sich zwei Tage nicht gesehen und schon gibt es unglaublich viel zu erzählen. Gleichzeitig steht eine neue Schulwoche bevor.

Idee: Um den Austausch in geregelte Bahnen zu bringen, können Sie einen kurzen Morgenkreis einführen. Dieser eignet sich besondern für Volksschulklassen. Die Kinder können beispielsweise erzählen, was sie am Wochenende erlebt haben. Anschließend lässt sich der Blick auf die kommende Woche richten und der Wochenplan gemeinsam besprechen. Hier finden Sie 6 Ideen für den Morgenkreis in der Volksschule.

Oder Sie signalisieren den Wechsel von Wochenende und Schulzeit durch die Vergabe der Klassendienste für die Woche.

Tipp: Vereinbaren Sie vorher einfache Gesprächsregeln für den Morgenkreis und begrenzen Sie die Erzählzeit gegebenenfalls. So bleibt Raum für die persönlichen Beiträge, ohne dass der Unterricht zu kurz kommt.

3. Ruhezeichen

Situation: Während einer Arbeitsphase wird es zunehmend laut oder die Aufmerksamkeit soll wieder auf die Lehrkraft gelenkt werden.

Idee: Für alle, die das ständige Ermahnen leid sind, ist ein Ruhezeichen eine zeit- und stimmschonende Alternative. Je nach Ihren eigenen Vorlieben können akustische Signale mit Tischglocken, Klangschalen, Zimbeln oder Klangstäben erzeugt werden. 

Tipp: Handzeichen sind ebenfalls eine Option: Sie werden nicht gleich von allen bemerkt, haben aber den Vorteil, dass sie auch von Schülerinnen und Schülern eingesetzt werden können. Das Handzeichen ist das Signal für alle, es ebenfalls auszuführen und leise zu werden. 

Noch mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag "Weniger Lärm im Klassenzimmer durch Ruhesignale".

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4. Ritual zum Wechsel von Sozialformen

Situation: Die Klasse wechselt regelmäßig zwischen verschiedenen Sozialformen oder Arbeitsweisen.

Idee: Sie können in Ihrer Klasse Symbolbilder für die unterschiedlichen Sozialformen und Handlungen einführen. Die Kinder wissen so sofort, was von ihnen erwartet wird und können sich ohne lange Erläuterungen, z. B. für Gruppenarbeitsphasen, Steh- oder Stuhlkreise, organisieren. 

Tipp: Verwenden Sie wenige, eindeutig unterscheidbare Symbole und führen Sie diese schrittweise ein. Mit der Zeit können die Kinder die Bedeutung selbstständig erkennen und den nächsten Arbeitsschritt einleiten.

5. Ritual zum Ende einer Arbeitsphase

Situation: Eine Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeitsphase geht zu Ende und die Klasse soll möglichst ruhig in die nächste Phase wechseln.

Idee: Ein vereinbartes akustisches Signal oder eine kurze Melodie kündigt das Ende der Arbeitszeit an. Die Schülerinnen und Schüler wissen dann, dass sie ihre Arbeit beenden, Materialien aufräumen und ihren Platz für die nächste Unterrichtsphase vorbereiten. Das sanfte ausklingen lassen der Arbeitsphase reduziert Lärm und kann Zeit sparen.

Tipp: Legen Sie gemeinsam einen festen Ablauf fest: Was wird zuerst beendet? Wohin kommen die Materialien? Was passiert anschließend? So wird aus dem Signal mit der Zeit ein vertrauter Ablauf.

6. Bewegungs- und Entspannungspausen

Situation: Nach einer längeren Arbeitsphase lässt die Konzentration nach oder die Kinder brauchen eine kurze Unterbrechung.

Idee: Eine kurze Bewegungs- oder Entspannungspause kann zu einem festen Bestandteil des Unterrichts werden. Sie können die Pause ebenfalls durch eine visuelles oder akustisches Signal einleiten. Je nach Situation eignen sich beispielsweise kurze Aktivierungsspiele, Bewegungslieder, Dehnübungen oder eine kleine Entspannungsübung.

Tipp: Wählen Sie Übungen, die sich schnell durchführen und ohne großen Materialaufwand in den Unterricht integrieren lassen. Besonders praktisch sind kurze Übungen, die die Kinder bereits kennen und selbstständig durchführen können.

Beispiele finden Sie in den Beiträgen zu Aktivierungsspielen und Entspannungsübungen wie z.B. eine Fantasiereise.

Kindergruppe in Reihe stehend
Aktivierungsspiele können die Rolle eines Motivationsrituals einnehmen, Quelle: Betzold

7. Rituale zum Wochenausklang

Situation: Die Schulwoche geht zu Ende und es gibt noch offene Anliegen, Rückmeldungen oder gemeinsame Themen.

Idee: Ein regelmäßiger Wochenabschluss bietet Raum für Rückblick und Austausch. Ein Klassenrat kann beispielsweise einen festen Platz im Wochenablauf bekommen. Hier ist Raum für die Klärung von Konflikten, Anliegen, Anregungen und Lob. Komprimiert wird hier vieles geklärt, das sonst während des Unterrichts gelöst werden müsste. Ein Klassenrat trägt zu einem positiven Klassenklima bei. Nebenbei trainieren die Schülerinnen und Schüler ihr Kommunikations- und Diskussionsverhalten.

Tipp: Ein Klassenrat ist mehr als ein Ritual: Er ist ein festes Gesprächs- und Beteiligungsformat. Durch den regelmäßig wiederkehrenden Termin und einen vertrauten Ablauf kann er jedoch ritualisierten Charakter bekommen. Die Aufgaben – etwa Gesprächsleitung oder Protokoll – können von den Schülerinnen und Schülern übernommen werden.

8. Feste und besondere Tage

Situation: Ein Geburtstag, ein Fest oder ein besonderer Anlass bietet Gelegenheit für einen gemeinsamen Moment außerhalb des üblichen Unterrichtsablaufs.

Idee: Ein Geburtstagritual ist besonders für jüngere Schüler ein persönliches Highlight im Schuljahr. Bestandteil können z. B. Lieder, das Vorlesen kurzer Geschichten, ein Spiel nach Wunsch des Geburtstagskinds oder Geburtstagspost von den Mitschülern sein.

Den jahreszeitlichen Ablauf können Feiertage, Klassen- und Schulfeste strukturieren. Sie tragen zur Identifizierung mit der Schule bei und die gemeinsamen Aktionen stärken die Klassengemeinschaft.

Tipp: Achten Sie darauf, dass das Ritual zum jeweiligen Kind und zur Klasse passt. Nicht jedes Kind möchte beispielsweise im Mittelpunkt stehen.

Bei besonderen Tagen können auch gemeinsame Aktionen wie ein Adventskalender, eine Vorlesezeit oder ein kleines Klassenprojekt zu vertrauten Bestandteilen werden. 

Kinder musizieren mit Lehrerin
Teil des Geburtstagsrituals kann z.B. ein Liederwunsch sein, Quelle: Betzold
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Bettina Kroker
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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: