Lassen Sie uns allerdings zuerst einen Blick auf die Ausgangssituation für Erzieherinnen und Erzieher werfen:
752.220 … eine große Zahl, die sich hoffentlich in den nächsten Jahren noch erhöhen wird. Es handelt sich hierbei um die Zahl der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen. Dem gegenüber stehen 3.663.344 Kinder, die Stand September 2019 in Kindertageseinrichtungen betreut werden. (Quelle: Statistisches Bundesamt, September 2019)
Der Betreuungsbedarf ist noch immer höher als das Betreuungsangebot und die Arbeitsbelastung in den unterschiedlichen Einrichtungen steigt täglich an. Gerade in den Ballungsgebieten ist der Ansturm auf die Plätze in der Kinderbetreuung so groß, dass unter den Eltern Ängste entstehen, im Bewerbungsprozess unterzugehen. Dieser Stress wird natürlich auch auf die Kindertageseinrichtungen übertragen, die sich diesem Ansturm ausgesetzt sehen.
Nehmen Sie dies als Ausgangssituation, gepaart mit der immer größeren Komplexität in der täglichen Arbeit, ist es nicht verwunderlich, dass die Zufriedenheit und vor allem auch die physische und psychische Gesundheit unter den Fachkräften stetig sinken.
Die Folge ist eine stetige Erhöhung der krankheitsbedingten Fehltage.
„Besonders verbreitet sind Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in solchen Branchen (z. B. Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht) bzw. Berufen (z. B. Alten- und Krankenpfleger, Erzieher, Sozialarbeiter), die viel mit bzw. am Menschen arbeiten.“
(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales „Psychische Gesundheit im Betrieb – Arbeitsmedizinische Empfehlung“, Stand April 2019)
Diese beunruhigenden Zahlen und Prognosen gelten natürlich nicht für alle Beschäftigten, doch sollen sie der Anlass zu einem kleinen Exkurs in Sachen Selbstfürsorge und Balance sein.
Lassen Sie uns also mit der wichtigsten Frage anfangen: „Wie geht es Ihnen heute?“
Die Standardantwort auf diese Frage liegt meistens irgendwo zwischen „Super“ und „Es muss“. Lassen Sie uns also direkt hier mit ein paar Tipps beginnen, wie Sie Selbstfürsorge, also Self-Care in Ihren Alltag integrieren.
Self-Care-Tipps für Ihren Alltag
Antworten Sie ehrlich auf die Frage „Wie geht es Ihnen heute?“.
Ein ehrlicher Umgang mit sich selbst und Ihrer Umwelt ermöglicht es Ihren Gesprächspartnern, besser auf Ihre Stimmung und Ihre Bedürfnisse einzugehen. Und auch die Kinder in Ihrer Gruppe profitieren von einem offenen Umgang mit Emotionen jeglicher Art. Die authentische Auseinandersetzung mit der eigenen Stimmung, sei sie positiv oder negativ, ist ein wichtiges Lernziel der Gefühlserziehung.
Genießen Sie Dinge
Bewusstes Genießen – das erleben viele von uns lediglich, wenn sie vorher etwas erledigt, geschafft oder absolviert haben. Leben nach dem Belohnungsprinzip heißt allerdings im Umkehrschluss, dass Sie ein schlechtes Gewissen erzeugen, wenn Sie außerhalb einer vorher erbrachten Leistung etwas Gutes für sich tun. Doch das muss nicht sein. Gönnen Sie sich eine kurze Pause, auch wenn Sie vorher keinen Halbmarathon gelaufen sind:
Planen Sie gemeinsam mit Ihrer Gruppe Entspannungsphasen in Ihren Tag ein. Durch kleine Achtsamkeitsübungen oder autogenes Training werden sich die Kinder ebenfalls eine kurze Pause gönnen, ruhiger werden und neue Kräfte für die nächsten Tagesabschnitte sammeln.
Sie als Fachkraft können aus diesen Momenten ebenfalls Kraft und Ruhe schöpfen.