Interaktive Tafeln im Unterricht: Mehr als ein großer Bildschirm
Im Schulalltag werden digitale Tafeln häufig zunächst wie ein klassischer Beamer bzw. eine Kreidetafel genutzt – also zur Darstellung von Präsentationen oder Arbeitsmaterialien und als Schreibuntergrund.
Ihr eigentliches Potenzial entfalten sie jedoch erst durch ihre interaktiven Möglichkeiten: Inhalte können gemeinsam entwickelt, verändert und gesichert werden. Schülerinnen und Schüler lassen sich aktiv in den Unterricht einbeziehen, statt nur zuzusehen. Die konkrete Umsetzung hängt vom verwendeten System ab, ist aber in der Regel mit wenigen Schritten im Unterrichtsalltag möglich. Viele Funktionen lassen sich spontan während der Stunde einsetzen.
Die folgenden Beispiele zeigen typische Unterrichtssituationen, in denen Sie die Tafel direkt und ohne großen Vorbereitungsaufwand einsetzen können:
1. Einstieg: Vorwissen aktivieren und sammeln
Zu Beginn einer Stunde eignen sich interaktive Tafeln besonders, um Vorwissen sichtbar zu machen und die Klasse einzubeziehen.
Sie können z. B.:
- Begriffe gemeinsam als Brainstorming sammeln und direkt sortieren
- eine Mindmap entwickeln, die während der Stunde wächst
- spontane Umfragen durchführen („Was wisst ihr schon über …?“)
→ Vorteil: Ergebnisse entstehen sichtbar im Plenum und können direkt weiterverwendet werden.
2. Erarbeitung: Inhalte gemeinsam entwickeln
Während der Erarbeitungsphase wird die Tafel zum gemeinsamen Arbeitsraum.
Mögliche Einsatzformen:
- Bilder oder Modelle beschriften und analysieren (z. B. in Biologie oder Geografie)
- Lösungswege in Mathematik Schritt für Schritt vergleichen
- Schülerideen direkt ergänzen, verschieben oder ordnen
→ Vorteil: Denkprozesse werden sichtbar und können gemeinsam reflektiert werden.
3. Sicherung: Ergebnisse strukturieren und festhalten
Am Stundenende hilft die Tafel, Ergebnisse zu bündeln und zu sichern.
Zum Beispiel durch:
- gemeinsame Ergebnisprotokolle direkt an der Tafel
- das Festhalten zentraler Begriffe oder Regeln
- das Speichern der Tafelbilder zur weiteren Nutzung
→ Vorteil: Ergebnisse gehen nicht verloren und können weiterbearbeitet werden.
4. Feedback & Aktivierung während der Stunde
Interaktive Tafeln ermöglichen kurze Rückmeldeschleifen im Unterricht.
Einsatzmöglichkeiten:
- schnelle Abstimmungen oder QR-Code-Abfragen
- Verständnischecks während einer Erklärung
- spontane Meinungsbilder der Klasse
→ Vorteil: Lehrkräfte erkennen sofort, wo die Klasse steht.
5. Schülerprodukte sichtbar machen
Arbeitsergebnisse von Schülerinnen und Schülern können direkt eingebunden werden.
Beispiele:
- Lösungen vom Tablet an die Tafel spiegeln
- Gruppenarbeiten vergleichen und diskutieren
- Ergebnisse als Ausgangspunkt für gemeinsame Reflexion nutzen
→ Vorteil: Schülerarbeiten werden Teil des Unterrichtsgesprächs.
Die wichtigsten Funktionen im Überblick
Hinter diesen Einsatzmöglichkeiten stehen verschiedene Funktionen der interaktiven Tafel, die klassische Unterrichtswerkzeuge in einem digitalen System bündeln. Die elektronische Tafel vereint dabei Funktionen, die bisher von mehreren Geräten erfüllt werden mussten:
1. Mehr als Schreiben: die Tafel als digitales Arbeitswerkzeug
Interaktive Tafeln können weiterhin ganz klassisch als Schreibfläche genutzt werden – nur eben erweitert:
- Das interaktive Whiteboards und Displays können wie eine klassische Tafel handschriftlich beschrieben werden.
- Für den Tafelaufschrieb, Hervorhebungen oder Zeichnungen können unterschiedliche Farben gewählt werden.
- Statt Lineal, Zirkel oder Geodreieck anzusetzen, stellen die Boards digitale Tools für diese Anwendungen zur Verfügung.
- Auch der Tafelschwamm hat sein digitales Gegenstück.
- Die bewährten Tafelhintergründe (leer, liniert, kariert, Notenlinien) können eingeblendet werden.
Zusätzlich dazu hält die interaktive Tafel weitere Funktionen bereit:
- Der handschriftliche Aufschrieb kann unkompliziert in einen digitalen Text umgewandelt werden. Die Schrifterkennung schließt auch Zahlen und Formeln ein. Alternativ ist auch der Einsatz einer (angeschlossenen oder eingeblendeten) Tastatur möglich.
- Es können andere Geräte wie Dokumentenkameras angeschlossen werden.
- Bilder, Fotos, Videos, anklickbare Links und Audio-Dateien können integriert werden, ohne einen Bruch in der Unterrichtsstunde zu verursachen. Der Unterricht kann so dynamischer gestaltet werden.
- Notizen können nachträglich geordnet, kopiert oder verschoben werden.
- Dadurch sind Aufschriebe und Tafelbilder übersichtlicher.
- Ein Vorteil, der auch beim Brainstorming oder Mindmapping zum Tragen kommt.
- Tafelbilder können gespeichert …
- … und an Schülerinnen und Schüler weitergeleitet oder ausgedruckt werden.
Info
Die genannten Funktionen gehören zur Grundausstattung von interaktiven Tafeln. Mit spezieller Software und Arbeitsmaterialien für einzelne Fächer ist darüber hinaus noch viel mehr möglich. So können Sie z. B. Landkarten wahlweise als physische oder politische Karten anzeigen oder Daten wie Bevölkerungszahl, Namen von Städten oder Flüssen einblenden.