Fachunterricht: Deutsch
Veröffentlichung: 27.08.2026

Die Schreibkonferenz in der Volksschule: Gemeinsam zu besseren Texten

Feedback von Kindern für Kinder: Mit der Schreibkonferenz wird das Überarbeiten von Texten zu einer gemeinsamen Aufgabe. Wir zeigen, wie die Methode funktioniert, welche Regeln wichtig sind und wie alle Kinder davon profitieren.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Was ist eine Schreibkonferenz?

Eine Schreibkonferenz ist eine kooperative Methode, bei der Schülerinnen und Schüler ihre selbst verfassten Texte durch Feedback anderer Kinder im Rahmen einer Partner- oder Gruppenarbeit überarbeiten und verbessern. Im Vordergrund steht nicht das Finden von Fehlern oder eine Bewertung, sondern das gemeinsame Arbeiten an Texten.

Die Methode eignet sich in der Regel ab der 3. Klasse, da die Kinder bereits etwas Übung im Lesen und Schreiben benötigen. 

Wie ist der Ablauf einer Schreibkonferenz?

Eine Schreibkonferenz hat einen festen Ablauf. Das gibt den Kindern Sicherheit. Wichtig ist, dass nicht die Fehlersuche im Mittelpunkt steht, sondern die gemeinsame Weiterentwicklung eines Textes.

Vorbereitung:

  • Die Kinder verfassen einen Text (besonders gut eignet sich die Schreibkonferenz auch zur Besprechung von Texten, die als Hausaufgabe erstellt wurden) 
  • Vor der ersten Schreibkonferenz: Einführung der Methode 
  • Erarbeiten bzw. Wiederholen der Regeln
  • Einteilung der Klasse in Kleingruppen mit je 3 bis 4 Schülerinnen und Schülern
  • Optional: Vorgabe von Feedback-Kriterien (z. B. Verständlichkeit des Textes, Beschreibung von Personen/Orten, Anfang/Ende, Satzanfänge, verwendete Adjektive, Zeitform, Aufbau/roter Faden …) 
  • Zeitrahmen festlegen

Hier haben wir für Sie Karten mit den wichtigsten Regeln und dem Ablauf vorbereitet:

Tipps für die ersten Schreibkonferenzen:
  • Mit kurzen Texten beginnen
  • Nur 2 bis 3 Feedback-Kriterien vorgeben
  • Kriterien sichtbar machen (an der Tafel oder mit Feedback-Kärtchen) 
  • Feedback geben üben (Satzstarter bereitstellen)

Schritt 1: Vorlesen des Textes

Ein Kind liest seinen Text der Gruppe vor. Die anderen hören aufmerksam zu und konzentrieren sich zunächst auf die Wirkung des Textes.

Dabei übernimmt jedes Gruppenmitglied eine bestimmte Rolle:

  • Autor/Autorin 
    Das Kind, das seinen Text vorliest.
  • Moderator/Moderatorin 
    Ein Kind übernimmt die Moderation. Es erinnert an die Gesprächsregeln und sorgt dafür, dass alle Beteiligten zu Wort kommen. Außerdem achtet es darauf, dass die einzelnen Schritte der Schreibkonferenz eingehalten werden und die Gruppe im vereinbarten Zeitrahmen bleibt.
  • Feedbackteam
    Das Feedbackteam besteht aus den zuhörenden Kindern.

Rollenkarten oder Feedbackkarten mit Satzanfängen können den Kindern helfen, ihre Aufgaben sicher wahrzunehmen und konstruktives Feedback zu geben. Hier stellen wir Ihnen die Karten als Download bereit:

Schritt 2: Feedback geben

Nachdem der Text vorgelesen wurde, ist das Feedbackteam an der Reihe. Das Feedback sollte den Autorinnen und Autoren eine klare Orientierung geben und möglichst konkret ausfallen. Eine einfache Gesprächsstruktur hilft dabei, positive Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge miteinander zu verbinden.

Als Satzstarter können Sie beispielsweise folgende Formulierungen vorgeben:

  • Das Feedbackteam benennt zunächst eine Stärke des Textes: 
    „Mir gefällt besonders gut, dass …“ 
    „Die Stelle mit ... ist dir super gelungen.“
    „Ich finde spannend, wie du …“
  • Sie beschreiben, was bei ihnen als Lesenden angekommen ist. So kann die schreibende Person erkennen, ob ihr Text verständlich ist: 
    „Ich habe verstanden, dass …“ 
    „Für mich war klar, dass …“
  • Sie benennen Unklarheiten und fragen nach: 
    „Ich habe eine Frage zu der Stelle, wo …“
    „Was ist gemeint, wenn du schreibst …“
  • Die Kinder äußern Hinweise für die Weiterentwicklung des Textes
    „Vielleicht könntest du …“
    „Du könntest noch … ergänzen, damit …“

Gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler sind solche Satzstarter hilfreich, weil sie ihnen Sicherheit beim Formulieren von Feedback geben. Mit zunehmender Erfahrung können die Vorgaben schrittweise reduziert werden.

Wenn Feedback nicht klar ist oder sich Fragen ergeben, fragen die Autorinnen und Autoren direkt beim Feedbackteam nach. 

Die Autorinnen und Autoren notieren sich die Vorschläge. Dabei kann eine Checkliste oder ein Überarbeitungsbogen helfen, die Rückmeldungen einfach abzuhaken und zu sortieren. Für jüngere Kinder eignen sich einfache Kriterien und Symbole, während ältere Schülerinnen und Schüler zunehmend selbstständig mit mehreren Überarbeitungskriterien arbeiten können.

Nun werden die Rollen gewechselt. Jedes Kind soll einmal in die Rolle des Autors/der Autorin schlüpfen und den eigenen Text vorlesen und Feedback erhalten. Dann geht es weiter zu Schritt 3:

Schritt 3: Text überarbeiten

Nach der Feedbackrunde geht es an die eigentliche Überarbeitung. Die Autorinnen und Autoren entscheiden selbst, welche Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge sie für ihren Text übernehmen möchten. Dadurch bleiben sie aktiv für den eigenen Schreibprozess verantwortlich.

Je nach Klassenstufe und Textsorte können die Kinder beispielsweise:

  • fehlende Informationen ergänzen
  • unklare Stellen verständlicher formulierenpassende oder abwechslungsreiche Wörter einsetzen
  • Satzanfänge und Satzbau verändern
  • Textstellen umstellen oder streichen
  • Rechtschreibung und Satzzeichen überprüfen

Beispiel: 
Text: „Dann ging Mia in den Wald. Dort war es gruselig.“
Feedback: „Ich weiß noch nicht genau, warum es gruselig war. Vielleicht könntest du beschreiben, was Mia im Wald gesehen oder gehört hat.“
Überarbeitung: „Dann ging Mia in den dunklen Wald. Plötzlich knackte hinter ihr ein Ast …“

Schritt 4: Endfassung präsentieren

Nach der Überarbeitung können die Kinder ihre fertigen Texte präsentieren. 

Je nach Textsorte und Zeit können die Ergebnisse auf unterschiedliche Weise mit anderen geteilt werden:

  • Vorlesen: Die Kinder lesen ihre überarbeiteten Texte der Klasse oder einer Kleingruppe vor.
  • Ausstellen: Die fertigen Texte werden im Klassenzimmer, auf einem Lesetisch oder an einer Textwand präsentiert.
  • Austauschen: Die Kinder lesen die fertigen Texte ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler und geben abschließend eine kurze Rückmeldung.

Die Präsentation zeigt den Kindern, dass Überarbeiten einen Zweck hat: Der Text wird für echte Leserinnen und Leser weiterentwickelt. Gleichzeitig erfahren die Kinder Wertschätzung für ihre Arbeit und erleben ihren Schreibprozess als abgeschlossenes Produkt.

Welche Texte eignen sich?

Generell eignen sich alle Arten von selbst geschriebenen Texten. Hier ein paar Beispiele für die Volksschule:
  • erzählende/kreative Texte (Bildergeschichten, Briefe, Reizwortgeschichten, Erlebniserzählungen, Fantasiegeschichten, Fabeln …)
  • Gedichte (Akrostichon (/blog/akrostichon/), Elfchen, Haiku …)
  • informative Texte (Steckbriefe, Personen-/Tierbeschreibungen, Berichte …)
Für die ersten Schreibkonferenzen in der Volksschule eignen sich kurze Texte wie eine kleine Bildergeschichte, ein Elfchen oder ein Steckbrief. Zum Einstieg können Sie Kriterien vorgeben, auf die sich die Kinder konzentrieren.

Welche Kompetenzen fördert eine Schreibkonferenz? 

Eine Schreibkonferenz ist mehr als eine Methode zur Textüberarbeitung. Die Kinder setzen sich intensiv mit Sprache auseinander, tauschen sich über ihre Texte aus und übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Schreibprozess. Dadurch werden neben sprachlichen auch methodische und soziale Kompetenzen gefördert.
  • Sprachliche Kompetenzen: Die Schülerinnen und Schüler lernen, Texte zu überarbeiten, erweitern durch den Austausch mit anderen ihren Wortschatz und verbessern durch Feedback ihren Satzbau und die Rechtschreibung. 
  • Methodische Kompetenzen: Sie denken über die Wirkung von Texten nach, reflektieren diese, lernen Kriterien für gute Texte kennen und lernen, konstruktives und faires Feedback zu geben.
  • Soziale Kompetenzen: Die Kinder üben sich im aktiven Zuhören (/blog/zuhoeren-lernen/), in wertschätzender Kommunikation, im Umgang mit Kritik und in der Zusammenarbeit in der Gruppe.

Häufige Schwierigkeiten und Lösungen

Gerade bei den ersten Schreibkonferenzen läuft noch nicht alles reibungslos. Diese Tipps können helfen:
Schwierigkeit  Mögliche Lösung
Kinder loben nur Mit Satzstarter-Beispielen und konkreten Kriterien arbeiten, damit die Kinder lernen, auch hilfreiche Hinweise zu geben.
Feedback ist verletzend Gemeinsam Gesprächsregeln erarbeiten und wertschätzende Formulierungen einüben.
Es werden zu viele Fehler genannt Den Fokus auf wenige, vorher festgelegte Kriterien legen und nicht jeden Rechtschreib- oder Grammatikfehler korrigieren lassen.
Schwächere Kinder fühlen sich überfordert Differenzierte Checklisten, Symbole und Satzstarter einsetzen und die Anzahl der Kriterien reduzieren.
Die Schreibkonferenz dauert zu lange Den Umfang begrenzen, beispielsweise nur einen Textabschnitt oder einen vorher festgelegten Überarbeitungsschwerpunkt besprechen.
Einzelne Kinder beteiligen sich kaum Die Moderatorinnen und Moderatoren darauf achten lassen, dass alle zu Wort kommen. Alternativ kann eine Reihenfolge helfen.
Kinder übernehmen ungeprüft alle Vorschläge Darauf hinweisen, dass der Autor/die Autorin selbst entscheidet, welche Rückmeldungen sie für die Überarbeitung nutzen möchte.
Das Feedback bleibt sehr allgemein Die Kinder auffordern, ihre Rückmeldung am Text oder an einem konkreten Beispiel festzumachen.

Schreiben ist mehr als das reine Aufschreiben von Ideen: Ein guter Text entsteht häufig erst durch Überarbeiten und Weiterentwickeln.
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Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: